Wie entwickelt sich unsere Gesellschaft und welche Faktoren treiben diesen Wandel voran? Mit dieser zentralen Fragestellung beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der 11. Jahrgangsstufe in der diesjährigen Wissenschaftswoche am Gymnasium Wiesentheid. Das Rahmenthema „Gesellschaftliche Entwicklung“ bot Raum für Untersuchungen in ganz unterschiedlichen Fachbereichen – von der Physik über die Kunst bis hin zur Ethik und Geschichte. Den Auftakt der Woche gestaltete Prof. Hörtnagl, der mit seinem Vortrag wichtige Impulse setzte und die Jugendlichen auf die kommende Projektarbeit einstimmte.

In der Physik stand die Windkraft als einer der bedeutendsten Motoren für den modernen gesellschaftlichen Wandel im Mittelpunkt. Die Schüler untersuchten dabei nicht nur die theoretischen Hintergründe der Energieerzeugung, sondern wurden auch praktisch aktiv. Sie konstruierten Modelle von Windrädern und experimentierten mit verschiedenen Rotorblättern. In Zusammenarbeit mit dem Wahlfach kam dabei auch ein Rotor aus dem 3D-Drucker zum Einsatz, der im Test den besten Wirkungsgrad erzielte. Diese Verbindung von Technik und gesellschaftlicher Relevanz verdeutlichte, wie physikalische Innovationen direkten Einfluss auf unsere Art zu leben und unsere Umwelt haben.

Einen künstlerischen und zugleich sozialkritischen Blick warfen die Jugendlichen im Projekt „Zwei Welten – Ein Raum“. Hier wurde das oft harte Nebeneinander von Armut und Reichtum thematisiert. In einem eindrucksvollen Modell stellten die Schüler Favelas in direkter Nachbarschaft zu einer luxuriösen Villa dar. Diese gestalterische Arbeit diente als Grundlage, um über die tieferen Ursachen sozialer Ungleichheit nachzudenken und gemeinsam über mögliche Lösungen für diese globalen Herausforderungen zu diskutieren. Das Projekt zeigte auf, wie Kunst dazu beitragen kann, komplexe gesellschaftliche Probleme sichtbar und begreifbar zu machen.

Auch die digitale Kultur blieb nicht unberücksichtigt. Im Fach Ethik setzten sich die Schüler mit „Memes als Spiegel der Gesellschaft“ auseinander. Was auf den ersten Blick wie reine Internet-Unterhaltung wirkt, wurde hier wissenschaftlich analysiert. Die Gruppe untersuchte, wie Memes entstehen und was ihre massenhafte Verbreitung über die Werte und Ansichten der heutigen Gesellschaft aussagt. Dabei wurde deutlich, dass diese digitalen Phänomene oft als humorvolles, aber durchaus tiefgründiges Sprachrohr für aktuelle gesellschaftliche Stimmungen fungieren.

Einen historischen Vergleich bot die Untersuchung der Rollenbilder in der DDR und der BRD. Die Schüler arbeiteten heraus, dass die staatlich verordnete Emanzipation in der DDR oft schneller zu einer hohen Erwerbstätigkeit von Frauen führte, während in der BRD das traditionelle Bild der Hausfrau deutlich länger Bestand hatte. Dieser Rückblick machte deutlich, wie sehr politische Systeme die persönliche Lebensgestaltung und die gesellschaftliche Wahrnehmung von Geschlechterrollen prägen.

Zum Abschluss der Woche präsentierten viele weitere Gruppen ihre Ergebnisse in einem großen „Basar“. Die Themenvielfalt war beeindruckend: Von der Untersuchung von Mikroplastik in heimischen Gewässern und der Rolle von „Fast-Fashion“ bei der Verbreitung von Mikroplastik in unseren Ozeanen bis hin zur historischen Entwicklung der Parteien in den USA war alles vertreten. Auch die Bedeutung des Rads für die menschliche Entwicklung oder die Spiegelung gesellschaftlicher Normen in der Mode wurden anschaulich präsentiert. Die Wissenschaftswoche hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, über den Tellerrand der einzelnen Schulfächer hinauszublicken, um die Welt in ihrer Gesamtheit besser zu verstehen.

Text: Christian Schwerdtfeger

Bilder: Christian Schwerdtfeger