Der Schutz der Biodiversität und das Verständnis für ökologische Kreisläufe sind zentrale Themen der modernen Bildung. Am Gymnasium Wiesentheid werden diese Inhalte nicht nur theoretisch vermittelt, sondern im Wahlkurs „Schulimkerei“ aktiv gelebt. Seit dem Start des Projekts haben Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgangsstufen die Möglichkeit, die faszinierende Welt der Honigbienen aus nächster Nähe kennenzulernen und Verantwortung für eigene Bienenvölker zu übernehmen. Dabei verbindet das von Karolina König geleitete Projekt handwerkliches Geschick mit biologischem Fachwissen und fördert ein tiefes Bewusstsein für Nachhaltigkeit.
Die Arbeit der jungen Imker beginnt bereits im Winterhalbjahr mit einer intensiven theoretischen Vorbereitung. Um die Schulgemeinschaft auf die neuen Bewohner einzustimmen, gestalteten die Kursteilnehmer zunächst einen informativen Schaukasten über das Bienenvolk. Neben der Honigbiene rückten auch Wildbienen in den Fokus, für die die Schüler eigene Insektenhotels entwarfen und bauten. Mit dem Einzug der ersten zwei Bienenvölker im März begann die praktische Phase. Unter fachkundiger Anleitung der Lehrkraft lernten die Schüler, die Beuten regelmäßig auf Futtervorräte zu kontrollieren, Mittelwände einzulöten und die Honigräume rechtzeitig aufzusetzen.
Ein Höhepunkt im Bienenjahr ist die Honigernte, die am Gymnasium Wiesentheid zweimal jährlich durchgeführt wird. Der Prozess erfordert Sorgfalt und Teamarbeit: Die Waben werden von den Schülerinnen und Schülern entdeckelt, geschleudert und über mehrere Tage gerührt, bevor der fertige Honig in Gläser abgefüllt werden kann. Besonders wichtig ist während der Sommermonate die regelmäßige Schwarmkontrolle, um die Vitalität der Völker zu erhalten. Das Projekt zeichnet sich zudem durch eine starke fächerübergreifende Zusammenarbeit aus. So gestalteten Schüler im Kunstunterricht individuelle Honigetiketten, während die Kooperation mit dem Wahlkurs „Ökologie“ zur Anlage neuer Blühflächen im Schulgarten führte.
Anschließend wurde der Schwerpunkt verstärkt auf die nachhaltige Verwertung aller Bienenprodukte gelegt. Aus altem Wachs gewannen die Schüler durch Einschmelzen und Filtern saubere Rohstoffe für die Herstellung von Kerzen und Wachstüchern. Diese Produkte wurden, zusammen mit dem schuleigenen Honig, erfolgreich auf dem Weihnachtsbasar präsentiert. Auch innovative Ansätze wie die Herstellung von Lippenbalsam aus Bienenwachs im Rahmen der Mosaiktage stießen auf große Resonanz. Die pädagogische Arbeit geht dabei über die bloße Imkerei hinaus und vermittelt den Teilnehmenden wertvolle Kompetenzen in den Bereichen Vermarktung und Projektmanagement.
Die Zukunft der Schulimkerei am Gymnasium Wiesentheid ist bereits fest geplant: Ein P-Seminar „Faszination Biene“ wird angeboten, in dem Oberstufenschüler die Betreuung der Völker übernehmen. Neben der Honiggewinnung werden sie neue Vermarktungsstrategien entwickeln und Unterrichtseinheiten ausarbeiten, um ihr Wissen an jüngere Mitschüler der 5. und 6. Klassen weiterzugeben. Damit bleibt die Schulimkerei ein lebendiges Beispiel für praxisnahen MINT-Unterricht und aktiven Naturschutz direkt auf dem Schulgelände.
Text: Christian Schwerdtfeger und Karolina König
Bilder: Christian Schwerdtfeger und Karolina König



