Deutschrap ist aus dem Alltag vieler Jugendlicher kaum wegzudenken. Egal ob auf dem

Schulhof, im Bus oder abends mit Freunden, Rap läuft überall. Und kaum ein anderes Musikgenre geht so offen mit Drogen und Alkohol um. Doch was wollen die Künstler damit eigentlich aussagen? Und wie unterschiedlich kann derselbe Stoff dargestellt werden? Ein Blick auf bekannte Songs zeigt, dass dies sehr unterschiedlich sein kann und es keineswegs immer nur um eine Glorifizierung von Süchten geht…  

In Bongzimmer von SXTN zum Beispiel wird das Kiffen wie ein normaler Bestandteil des Tages beschrieben. Das „Bongzimmer“ wirkt fast wie ein gemütlicher Ort, an dem man abschalten kann und „alles einfacher wird“. Der Song provoziert bewusst, aber vermittelt gleichzeitig den Eindruck, dass Cannabis nichts Besonderes ist, eher ein Hobby. Vor allem versuchen sie den Hörern zu vermitteln, das Drogen für viele eine Flucht aus dem Alltag darstellen, in dem sie sich gefangen fühlen, sodass sie mithilfe des Konsums alle ihre Sorgen vermeintlich vergessen können. Ebenfalls gehen sie auf Themen wie Krieg oder ähnliche globale Probleme ein, welche dazu führen, dass viele Menschen versuchen, dem Alltag und solchen Themen zu entfliehen.

In Tilidin wiederum gehen Capital Bra und Samra weiter. Die beiden setzen das starke Schmerzmittel Tilidin mitten in ihren Party-Lifestyle und vermitteln den Eindruck, dass es eine „gute“ Möglichkeit ist, dem Alltag zu entfliehen. Der Refrain dreht sich darum, dass sie „Tilidin brauchen“ und es ihnen hilft, Stress und Sorgen auszublenden. Alkohol kommt als zweiter Fluchtweg dazu. Die Botschaft wirkt dadurch klar: Tilidin = Stimmungsheber. Risiken, Sucht oder Nebenwirkungen? Kein Thema. Genau das macht den Song bis heute so umstritten, obwohl ihn viele feiern.

Mit seinem Song  Tilidin weg versucht Bonez Mc die andere Seite zu zeigen. Derselbe

Wirkstoff wird hier ganz anders dargestellt. Statt Konsum auf Partys erzählt er von

Überforderung, Kontrollverlust und dem Moment, in dem er Tabletten wegwirft und sich selbst nicht mehr wiedererkennt, als er in den Spiegel sieht. Hier stehen Angst, Abhängigkeit und Selbstkritik im Mittelpunkt. Der Song ist damit das komplette Gegenteil von Tilidin: kein Lifestyle, sondern ein Warnsignal davor, welche Schäden und Probleme Drogenkonsum verursachen kann.

Auch Samra zeigt mit Geständnis eine andere Seite von sich und versucht seine Höher vor dem Konsum von Alkohol und Drogen warnen. Der Song handelt davon, dass er die „Drogenzeit“ und seine Vergangenheit hinter sich lassen will und merkt, wie kaputt ihn das Ganze gemacht hat. Statt dicken Autos und Partys geht es um Reue, Enttäuschung und den Wunsch, sein Leben wieder in den Griff zu kriegen. Auch handelt der Song davon, dass teilweise sogar Kinder sich ein Vorbild an ihm und Menschen mit einer ähnlichen Vorgeschichte genommen haben und er sich nun bessern will, da er gemerkt hat, wie ihn die Drogen Stück für Stück auch einen Teil seiner selbst genommen haben. Der Track wirkt ehrlich und zeigt, dass Drogen im Rap manchmal auch als Warnung aus eigener Erfahrung dienen.

Aber nicht nur Erwachsene konsumiere diese Substanzen. Sido erzählt in Augen auf

Geschichten von Jugendlichen, die viel zu früh mit Alkohol, Zigaretten oder Kiffen in Berührung kommen, da deren Eltern sie nie wirklich wahrgenommen haben und es ihnen nicht darum ging, „cool zu sein“, sondern dass es eine Art stummer Hilfeschrei war, den niemand hörte und sie keinen anderen Ausweg mehr wussten, um endlich von ihren Eltern beachtet zu werden. Der Song kritisiert klar die Erwachsenenwelt, die oft wegschaut, statt zu helfen. Sido macht deutlich: frühe Erfahrungen können Menschen auf eine schiefe Bahn bringen. Damit ist der Track fast schon ein Gegenentwurf zu vielen anderen Rap-Songs.

Aus diesen Songs lässt sich schließen, dass es für Drogen keine einheitliche Darstellung gibt, da manche Songs Drogen als harmlos oder sogar großartig darstellen, was in großem Kontrast zu Liedern wie Tilidin Weg oder Geständnis steht, in denen vor dem Konsum gewarnt und abgeraten wird.

Auch wenn das meistens nicht die Absicht der Künstler ist, beeinflussen ihre Songs das Bild vieler Jugendlichen.

Rapper erzählen aus ihrem Leben, übertreiben für Unterhaltung oder provozieren bewusst. Trotzdem kann häufiges Hören solcher Texte das Gefühl verstärken, dass Konsum normal oder harmlos ist – besonders, wenn nur die „spaßige“ Seite vorkommt und man sich nicht die Folgen und Probleme vor Augen führt, die mit dem Konsum einhergehen.

Auf der anderen Seite können genau diese Art von Liedern auch die Augen öffnen:

Gerade Tracks wie Geständnis oder Augen auf zeigen, dass Rapper sehr wohl wissen, welche Folgen Drogen haben können. Manche verarbeiten genau das in ihrer Musik und sehen ihre Songs als eine Art Therapie, um ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.

Als Fazit könnte man sagen, dass Deutschrap Drogen und Alkohol aus vielen Blickwinkeln zeigt: mal locker, mal gefährlich, mal kritisch. Wichtig ist nicht nur, was die Künstler erzählen, sondern wie man es versteht. Wer Rap hört, sollte wissen, dass nicht alles real ist – aber das oft echte Erfahrungen und Probleme dahinterstecken.

Text: Elena Kolb & Emma Seeger (8b)

Titelbild: erstellt mithilfe von KI DALL-E