Am 17. Juli 2025 unternahmen die Neuntklässler des sozialwissenschaftlichen Zweigs im Rahmen des Geschichts- und Politikunterrichts eine eindrucksvolle Exkursion nach Prichsenstadt, bei der die Schicksale der jüdischen Bevölkerung vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus im Mittelpunkt standen. Begleitet wurde die Klasse von ihren Lehrkräften Frau Huber und Frau Schenk.
Den Auftakt bildete ein informativer Vortrag von Herrn Wolf-Dieter Gutsch, einem ehemaligen Lehrer des Gymnasiums, der sich seit vielen Jahren mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Region auseinandersetzt und sich aktiv für die Erinnerungskultur sowie die damit verbundene Verlegung von Stolpersteinen engagiert. In einer Unterrichtsstunde bereitete er die Schülerinnen und Schüler auf die Exkursion vor, indem er grundlegende Informationen zum Umgang mit der jüdischen Bevölkerung und zur Geschichte der Synagogen in der Region vermittelte.
Die eigentliche Exkursion führte die Gruppe durch verschiedene geschichtlich bedeutsame Orte in Prichsenstadt. Startpunkt war das ehemalige Stadttor, das sich neben dem Standort der ersten Synagoge des Ortes befindet. Herr Gutsch erläuterte an dieser Stelle die Bedeutung des mittelalterlichen Stadtrechts für die damalige jüdische Bevölkerung. Anschließend ging es weiter zur Hauptstraße, wo zwei ehemals jüdische Wohnhäuser besichtigt wurden. Dort wurde auf die sichtbaren Erkennungsmerkmale jüdischer Haushalte wie die Mesusa und die Bedeutung der verlegten Stolpersteine verwiesen. Neben Informationen über die Entstehung und den Zweck dieser kleinen Gedenksteine erfuhren die Schülerinnen und Schüler auch bewegende Einzelschicksale, die sich hinter den Namen auf den Steinen verbergen.
Nach einer kurzen Erholungspause mit einem gemeinsamen Eisessen führte der Weg zur früheren Synagoge von 1912. Die Gruppe erhielt dort detaillierte Informationen über die frühere Nutzung des Gebäudes, die Ereignisse während der Reichspogromnacht und die wenigen noch erhaltenen baulichen Spuren jüdischen Lebens. Auch weitere ehemalige Wohnhäuser jüdischer Familien, vor denen heute ebenfalls Stolpersteine an deren Schicksale erinnern, waren Stationen der Führung.
Den Abschluss bildete ein Besuch am Denkmal für die Gefallenen beider Weltkriege und die Opfer des Nationalsozialismus am Stadtfriedhof. Besonders eindrucksvoll: ein symbolischer Koffer als Mahnmal, gestaltet nach dem Vorbild des Denkmals am Würzburger Hauptbahnhof – ein stilles, aber ausdrucksvolles Zeichen der Erinnerung an die Deportation und Ermordung jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger.
Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich während der gesamten Exkursion sehr aufmerksam, interessiert und spürbar betroffen. Die direkte Auseinandersetzung mit den Spuren der Vergangenheit vor Ort ermöglichte ihnen einen besonders eindrücklichen Zugang zum Thema.
Ein herzlicher Dank gilt Herrn Gutsch für seine engagierte und kenntnisreiche Führung, die die historischen Ereignisse lebendig und greifbar machte. Unterstützt wurde er dabei von zwei weiteren ehemaligen Lehrkräften des Gymnasiums, Herrn Wantzen und Herrn Baumgarten, deren Beiträge die Exkursion zusätzlich bereicherten.
Diese außerschulische Veranstaltung leistete einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Erinnerungskultur und zur vertieften Auseinandersetzung mit den Gräueltaten des Nationalsozialismus – ein Anliegen, das im Bildungsauftrag des Faches Geschichte sowie Politik und Gesellschaft fest verankert ist.
Text: Anna-Lena Huber
Bilder: Martina Schenk